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Tipps für den Alltag mit hochsensiblen Kinder

Hochsensibel zu sein ist schon für Erwachsene nicht immer leicht. Wie problematisch muss es dann erst für Kinder sein, die sich noch kaum abgrenzen können! Kinder haben viel damit zu tun, ihre Eindrücke zu verarbeiten. Schließlich entdecken sie ihre Welt gerade erst. Bei HSP-Kindern sind die Wahrnehmungen besonders vielfältig und überwältigen sie schnell.

Darauf reagieren Kinder unterschiedlich. Manche ziehen sich zurück, sind  ängstlich oder introvertiert und meiden zu aufregende Umgebungen. Andere werden aufgedreht und aggressiv und kommen kaum zur Ruhe. Probleme mit der Aufmerksamkeit haben viele HSP-Kinder, vor allem in der lauten, unruhigen Umgebung des Kindergartens oder der Schule.

Im Gegensatz zur Hochbegabung ist Hochsensibilität in der Lehrerausbildung kein Thema. Viele Lehrerinnen oder Erzieherinnen haben von diesem Phänomen noch nie gehört, und das schafft Probleme. Oft wäre es einfach, überreizten Kindern Gutes zu tun, wenn nur die Pädagogen wüssten, was Hochsensibilität ist und wie sie damit umgehen können.

Ein weiteres Problem kommt für hochsensible Kinder spätestens im Grundschulalter dazu: Normalität ist für Kinder und Jugendliche sehr wichtig. Kinder wollen sein wie alle anderen, bevor sie ihre eigene Persönlichkeit entwickeln und als wertvoll entdecken können. Es fällt ihnen schwer, Besonderheiten als positiv wahrzunehmen. Viele versuchen daher, ihre Hochsensibilität zu verstecken und sich wie alle anderen zu verhalten. Dieser Versuch der Selbstverleugnung geht aber, wie viele Hochsensible aus Erfahrung wissen, meist in die Hose.

Bist du Vater oder Mutter eines hochsensiblen Kindes? 

Dann helfen dir meine Tipps vielleicht weiter:

  1. Alle Kinder brauchen Nähe, Rituale und Ruhe-Inseln. Für hochsensible Kinder sind diese noch wichtiger als für andere. Das Vorlesen am Abend, gemeinsame Kuschelstunden, eine abendliche Reflexion des vergangenen Tages… Findet gemeinsam ruhige Rituale, die zu euch passen!
  1. Eine reizreduzierte Umgebung tut besonders hochsensiblen Kindern gut. Im Kinderzimmer wirken geschlossene Schränke ruhiger als Regale, einheitliche Sortierkästen schaffen Ordnung. Auch wenn Kinder es gerne kunterbunt mögen, ist eine gedecktere Wandfarbe beruhigender. Vorsicht mit Spielzeug, das Geräusche macht oder Lichteffekte erzeugt!
  1. Sprich die Erzieherinnen oder Lehrerinnen deines Kindes ruhig auf das Thema Hochsensibilität an! Manchmal ist es ganz einfach, für hochsensible Kinder Ruhepole zu schaffen. Eine verständnisvolle Lehrerin und Erzieherin wird versuchen, gemeinsam mit den Eltern Lösungen zu finden.
  1. Alternative Schul- und Kindergartenkonzepte, zum Beispiel Waldkindergärten, Waldorf- oder Montessorischulen und -kindergärten, achten auf eine ruhige, reizreduzierte Umgebung. Das kann für hochsensible Kinder eine Wohltat sein.
  1. Kinder bekommen sehr viel mit, hochsensible Kinder sowieso! Rechne damit, dass dein Kind „dicke Luft“, Streitigkeiten und Ängste wahrnehmen und darauf reagieren wird. Da Heimlichkeiten Angst machen, ist es bei hochsensiblen Kindern besonders wichtig, offen mit Problemen umzugehen.
  1. Hochsensibilität ist eine Gabe, nicht nur eine Schwierigkeit! Hochsensible Menschen haben wunderbare Fähigkeiten und Talente. Dies zu bemerken und die Besonderheit deines Kindes wertschätzend anzuerkennen, ist vielleicht das Beste, das du ihm mitgeben kannst!

Birgit Oppermann
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